Blick auf Schreibtisch mit Infografik

Damit deine Infografik wird, was du dir vorstellst: Was du vor dem Briefing klären solltest

Ich hatte einmal ein Corporate-Design-Dokument mit über 100 Farben auf dem Tisch. Alle schön benannt, sauber sortiert, nichts fehlte. Ich sollte mir einfach die passenden heraussuchen ohne zu wissen, welche davon wirklich wirklich gewollt sind.

Ich habe kurz geschluckt.

Eine kurze Mail später war alles geklärt, und wir haben gemeinsam eine handliche Auswahl zusammengestellt. Das war kein Drama und auch kein großer Zeitverlust. Nur eben ein kleiner Umweg, den wir uns hätten sparen können.

Genau das ist der Punkt: Ein gutes Briefing merkt man oft erst, wenn es fehlt. Und wann Infografiken besonders helfen – das habe ich in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben. Je mehr also im Vorfeld klar ist, desto direkter kommen wir zum eigentlich spannenden Teil: der Grafik. Wie der Arbeitsprozess dann aussieht, beschreibe ich Schritt für Schritt in diesem Beitrag.

Was du dafür wissen solltest, erkläre ich hier.

Zwei Typen von Kunden, zwei verschiedene Ausgangssituationen

Wenn ich ein Briefing bekomme, das noch Lücken hat, liegt das meistens an einem von zwei Gründen.

Der erste: Der Kunde weiß noch nicht so recht, wie meine Arbeit als Infografik-Illustratorin konkret aussieht.

Was passiert zwischen Auftragserteilung und fertigem Design? Welche Entscheidungen muss ich treffen, und welche Informationen brauche ich dafür? Wenn du mehr über meinen Arbeitsprozess und die Zusammenarbeit wissen möchtest, schau gerne in meinen Workflow-Artikel oder in meinen Beitrag darüber, was eine gute Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Illustrator*in ausmacht.

Der zweite Grund ist interner Natur: Es ist noch nicht alles klar entschieden.

Zu viele Stimmen, zu viele offene Fragen. Was genau soll die Grafik zeigen? Wer ist die Zielgruppe? Was soll sie bewirken? Solange das unklar ist, kann kein Briefing vollständig sein. Und das ist okay. Es bedeutet nur, dass wir mit dem Projekt noch einen kleinen Schritt früher ansetzen müssen.

Für dich heißt das: Je nachdem, wo du gerade stehst, brauchen wir unterschiedliche Schritte vor dem eigentlichen Briefing.

Die technischen Rahmenbedingungen: Was feststehen muss

Bevor wir über Inhalte und Botschaften sprechen, gibt es einen Satz von Parametern, der am besten schon zu Beginn klar ist. Ich nenne das die technischen Rahmenbedingungen:

Dateiformat: In welchem Format soll die Infografik am Ende geliefert werden? Print oder digital? Beides? Das beeinflusst Auflösung, Farbmodus und Exportformat.

Corporate Design: Welche Farben, Schriften und Schriftschnitte sind vorgegeben? Hier reicht eine kleine, klare Auswahl. Nicht 100 Farben, sondern die drei bis fünf Hauptfarben, die tatsächlich verwendet werden sollen.

Stil: Soll die Grafik eher nüchtern und sachlich wirken oder illustrativ und warm? Gibt es visuelle Vorbilder, an denen ich mich orientieren soll? Bei einer ersten Zusammenarbeit ist das oft noch offen. Dann kann ich zwei bis drei Stilvarianten zur Auswahl anbieten. Man kann sich das also auf jeden Fall offen halten, wenn man noch nicht sicher ist und eine Auswahl sehen möchte, es hat aber Auswirkungen auf Zeit und Kosten und sollte daher im Budget berücksichtigt werden.

Je präziser diese Punkte im Vorfeld stehen, desto schneller und günstiger wird das Projekt.

Die inhaltlichen Fragen: Was die Grafik leisten soll

Neben den technischen Rahmenbedingungen gibt es Fragen, die den Kern der Grafik betreffen. Das sind die Fragen, die ich in meinem eigenen Infografik-Prozess in der Phase des Inhaltsscribbles stelle:

Welche Inhalte gehören unbedingt rein? Was ist wirklich wichtig, und was ist nur nett zu haben? Eine Infografik, die versucht, alles zu sagen, sagt am Ende nichts.

Welches Narrativ soll die Infografik verfolgen? Soll sie einen Prozess erklären, Daten vergleichen, eine Entwicklung zeigen? Die Art des Inhalts bestimmt die Form der Darstellung.

Welche Reihenfolge macht Sinn für den Betrachter? Wo fängt das Auge an, wohin wandert es? Gute Infografiken führen. Sie zwingen den Betrachter nicht, selbst zu suchen.

Wer ist die Zielgruppe? Eine Grafik für Fachpublikum sieht anders aus als eine für ein breites Publikum ohne Vorkenntnisse. Das ist ein großer Unterschied.

Was soll die Grafik bewirken? Informieren? Überzeugen? Begeistern? Das Ziel beeinflusst Ton, Bildsprache und Detailtiefe.

Die Frage, die viele überrascht

In meinem Auftragsfragebogen steht eine Frage, die ich bei Erstkontakten, wenn es passt, gerne stelle und die oft für einen kurzen Moment des Nachdenkens sorgt: Wer sind deine größten Mitbewerber am Markt?

Viele erwarten das nicht in einem Design-Briefing. Dabei ist das nicht ausschließlich eine Marketing-Frage. Es ist auch eine visuelle Frage. Wenn ich weiß, wie sich andere Unternehmen in diesem Bereich präsentieren, kann ich gezielt darauf achten, dass deine Grafik nicht in der Masse verschwindet, sondern die Stärken deines Unternehmens klar hervorhebt.

Nicht alle Kunden bekommen diesen Fragebogen. Wer schon sehr konkret weiß, was er möchte, braucht ihn nicht. Und bei Verlagen oder Unternehmen mit langjährigen Prozessen und festem Corporate Design sind die Rahmenbedingungen oft schon gesetzt. Aber bei einer ersten Zusammenarbeit oder wenn noch Unklarheit herrscht, hilft er beiden Seiten: dir, um deine Gedanken zu ordnen, und mir, um mit allem zu starten, was ich brauche.

Checkliste: Was du vor dem Briefing klären solltest

Hier sind die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

Technische Rahmenbedingungen

  • Dateiformat und Verwendungszweck (Print, digital, Social Media?)
  • CI-Farben (klare Auswahl, nicht die gesamte Palette)
  • Schriftarten und Schriftschnitte
  • Stil oder Stilvorbilder (falls vorhanden)

Inhalt und Botschaft

  • Welche Inhalte müssen rein, welche sind optional?
  • Welches Narrativ soll die Grafik verfolgen?
  • In welcher Reihenfolge soll der Betrachter geführt werden?
  • Was ist das Ziel der Grafik?

Zielgruppe und Kontext

  • Wer sieht die Grafik – und wo?
  • Was wissen die Betrachter bereits, was nicht?
  • Wer sind die Mitbewerber – und wie unterscheidest du dich?

Nicht jede Frage lässt sich immer vollständig beantworten, bevor wir anfangen. Aber je mehr davon geklärt ist, desto flüssiger läuft die Zusammenarbeit.

Wenn ein Projekt ins Stocken gerät, liegt das oft nicht an der Umsetzung, sondern am Anfang. Ich finde, genau das ist der Moment, in dem man versteht, was ein gutes Briefing eigentlich leisten muss. Und wenn du dir noch nicht sicher bist, ob eine Infografik überhaupt das richtige Format für dein Thema ist, findest du dazu auch einen eigenen Beitrag auf meinem Blog: Wann Infografiken wirklich helfen.

Wenn du Fragen zu einem konkreten Projekt hast oder einfach wissen möchtest, wie eine Zusammenarbeit bei mir abläuft, schreib mir gerne.

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Hi, ich bin Janina!

Janina Steger lächelnd

Illustratorin, Designerin und Gründerin des Designstudios Philografina. Neben Info­grafiken und Illustrationen für Unternehmen und Verlage liebe ich es, bunte und verspielte Muster in verschiedenen Techniken zu gestalten. Die Freude an der Vielfalt kreativer Möglichkeiten möchte ich gerne mit dir teilen.

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