Es gibt Arbeiten, die entstehen, weil ich etwas ausprobieren, herausfinden oder einfach schon immer mal machen wollte.
Das Totenkopfäffchen ist so eine Arbeit. 2022 in Procreate gemalt, einer App, die ich damals gerade erst entdeckt hatte und mich sofort in sie verliebt habe. Dass es später im Bildwerk Verlagswesen der Illustratoren Organisation sowie auf einer internationalen Ausstellung in Shenzhen, China, zu sehen sein würde, damit hatte ich damals nicht gerechnet.
Warum freie Arbeiten keine verlorene Zeit sind
Ich hatte früher manchmal den Gedanken, dass freie Arbeiten Luxus sind. Etwas, das ich mir gönne, wenn die Auftragslage es erlaubt. Etwas für danach.
Heute sehe ich das anders.
Freie Arbeiten sind der Ort, an dem ich Dinge tue, die niemand von mir erwartet. Wo ich eine Technik ausprobiere, die ich noch nicht beherrsche. Wo ich scheitern darf, ohne dass es jemanden etwas kostet. Und wo ich merke, was mich wirklich interessiert, jenseits dessen, was gerade gefragt wird und was ich machen MUSS.
Und was man einfach auch nicht vergessen darf: Illustration ist ein Handwerk, das man üben muss. Das Üben ist Teil meiner Arbeit, den ich beständig in meinem Alltag einbauen muss, um bei Aufträgen schneller, zielgenauer und souveräner zu werden.

Das Totenkopfäffchen hat mir also Procreate mehr oder weniger beigebracht, wenn man das so sagen kann. Ich habe verstanden, wie ich mit digitalen Pinseln denke, wie ich Licht setze, wie ich abstrakt Fell male. Diese Techniken verwende ich heute noch oft, wenn ich auf diese Art illustriere.
Was das mit Kunden zu tun hat
Wenn ich nur Auftragsarbeiten mache, wiederhole ich mich irgendwann. Mein Blick verengt sich und ich liefere dann immer nur das ab, was zuverlässig funktioniert und erwartet wird. Für viele Aufträge ist das gut und richtig. Für meine Weiterentwicklung sind freie Arbeiten aber immens wichtig, weil sie darüber hinausgehen.
Freie Arbeiten halten die Handschrift lebendig. Sie sorgen dafür, dass ich stilistisch beweglich bleibe, dass ich nicht in Routinen feststecke, die sich bewährt haben, aber nicht mehr wachsen. Und davon profitieren letztlich auch die Menschen, die mit mir arbeiten. Auch wenn sie selten bis nie sehen, was im Hintergrund passiert (weil ich Übungsstände auch gar nicht gerne zeige – kennt ihr das, liebe Kreativkollegen?).

Das Äffchen wollte übrigens auch etwas sagen: Es macht auf die schrumpfenden Lebensräume von Tieren in den Regenwäldern aufmerksam. Dass ausgerechnet diese Arbeit, entstanden ohne Auftrag, aus reiner Freude und Überzeugung, international ausgestellt wurde, freut mich besonders. Freie Arbeiten haben eine eigene Energie, glaube ich.

Weiter geht’s: üben, üben, üben
Ich werde weiter Dinge illustrieren, die niemand bestellt hat. Denn die Illustratorin, die ich für meine Kunden bin, ist auch die, die samstags einfach ein Äffchen malt. Und die, die in fünf oder zehn Jahren auf die heutigen „hässlichen“ Zeichnungen blickt und sich denkt: „Toll, dass du am Ball geblieben bist.“