„Du musst als Illustratorin auf Instagram vertreten sein!“
„Poste mindestens zweimal pro Tag!“
„Dein Blog ist das Herzstück deiner Onlinepräsenz, auf dem alles andere aufbaut!“
„LinkedIn ist DER Ort, um neue Kunden zu akquirieren!“
So viele verschiedene Meinungen und Ansichten es zu Social Media und Onlinepräsenz gibt, so viele Wege gibt es auch, als Kreative*r gefunden und gebucht zu werden. Und ja, es ist sehr wichtig, online gesehen zu werden. Was bringt es, wenn ich mir die tollsten Konzepte und Designs ausdenke und niemand sie sieht? Genau. Aber wie kann so ein Mix an Plattformen und Online-Akquisetools aussehen?
Wie wärs mit uns? Oder: Welche Kanäle passen überhaupt zu mir?
Muss der Kanal wirklich zu mir passen? Oder nicht doch besser zu meinen Kunden? Die Frage muss nämlich eigentlich lauten, wen ich mit meiner Arbeit erreichen möchte und wo sich diese Zielgruppe tatsächlich aufhält. Natürlich macht es keinen Sinn, sich die Stunden damit um die Ohren zu schlagen, Videos für TikTok zu drehen, wenn man eigentlich viel lieber schreibt. Es muss also beides passen. Die Plattform zur Zielgruppe und die Plattform zu dir.
Meine Wahl fiel deshalb auf Kanäle, auf denen einerseits meine Zielgruppe aka Kund*innen vertreten sind und die ich anderseits gerne mag und für die ich auch die Zeit finde, sie zu befüllen. Weniger ist mehr. Auf zwei Kanälen vertreten zu sein ist besser, als auf fünfen nur halbherzig und nur alle drei Monate was zu posten.
Meta oder nicht Meta? Das ist hier die Frage.
Und dann gibt es da nun auch noch einen neuen, nun ja, nicht mehr ganz so neuen Aspekt, der die Entscheidung beeinflussen kann: Meta oder nicht Meta. Nach der Ankündigung von Meta im Januar diesen Jahres, dass es keinen Faktencheck, keine inhaltlichen Eingriffe mehr bei den Themen Gender und Migration auf den Meta-Plattformen geben wird, darf man doch durchaus mal überlegen, ob es nicht noch andere Möglichkeiten gibt, wie man sein freiberufliches Tun in die Welt tragen und mit anderen Gleichgesinnten und Interessierten in Kontakt bleiben kann.
Insbesondere für Selbständige und Unternehmen ist ein Umdenken jetzt wichtig, wie Alexandra Polunin in ihrem Blogbeitrag so wunderbar beschrieben hat. Ich sehe es genauso wie sie: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich unabhängig von Meta-Plattformen aufzustellen.
Das Problem ist nur: Es gibt für mich keine wirklichen Alternativen zu Instagram.
(Von Facebook habe ich mich schon lange verabschiedet, weshalb ich mich hier nur auf Instagram beziehe).
Könnt ihr euch noch an die vielen Stories und Posts erinnern, in denen es hieß, dass man diesen oder jenen Kontakt nun bei Bluesky oder Mastodon finden kann? Nun ja, die meisten von ihnen sind auch immer noch auf Instagram aktiv. Warum? (Es interessiert mich wirklich – möchte jemand in den Kommentaren berichten?) Ich vermute, dass sich die meisten Kontakte immer noch auf Instagram versammeln, dass auf Instagram einfach „mehr los ist“ und dass dann der doppelte oder gar dreifache Aufwand alle Plattformen zu pflegen sehr ermüdend ist.
Aus Sicht der Bedienung (intuitiv, chronologische Timeline) und der Sicherheit (dezentrales Netzwerk, Datenschutz) sind diese beiden Beispiele sicherlich ein Argument. Ich befürchte nur, dass ich genau zu diesen Nutzern gehöre, die dann Profile auf fünf verschiedenen Netzwerken hat und keines davon so richtig gut bedient.
Fazit: Es gibt zahlreiche andere Bildnetzwerk-Alternativen zu Instagram (Pinterest, tumblr, flickr, EyeEm, Reddit – um nur ein paar weitere zu nennen), aber so richtig warm bin ich noch mit keiner geworden. (Okay, Pinterest, dich habe ich schon noch im Auge. Wir finden vielleicht noch zusammen…)
LinkedIn – mein liebstes berufliches Netzwerk
Seit ich mich vor gut eineinhalb Jahren über Karolina Zolubaks e-Book „LinkedIn für Illustrator*innen“ intensiver mit der Plattform beschäftigt habe, bin ich Fan. Ich mag den Austausch dort. Ich mag die Art, wie man Inhalte präsentieren kann (noch mehr Karussell-Fans hier anwesend?). Und ich mag es, dass der Ton in meiner Bubble wertschätzend, unterhaltsam und bereichernd ist. Außerdem treffe ich dort nicht nur Kolleg*innen, sondern auch potenzielle Auftraggeber*innen, die auch tatsächlich über die Auftragsvergabe entscheiden können.
Gerade bei Fachthemen merke ich: je klarer und nahbarer ich auf LinkedIn kommuniziere, desto eher verstehen Kund*innen, wie ich arbeite. Und ob es passt mit uns. Die Kontinuität meiner Beiträge auf LinkedIn zeigt mir außerdem, dass ich hier echt gut und gerne lange am Ball bleiben kann. Aber auch hier bin ich auf eine externe Plattform angewiesen. Auf eine amerikanische externe Plattform.
Wie hängt das jetzt alles mit dem Blog zusammen?
Schon sehr früh zu Beginn meiner Selbständigkeit fand ich den Gedanken eines eigenen Blogs verlockend. Alles an einem Ort, den man selber verwaltet und pflegt. Sich als Experte für sein Fachgebiet positionieren. Das finde ich überzeugend.
Es hat nur einen Haken: Das Verfassen eines Blogbeitrags kostet mich immer viel Zeit.
Für einen Blogartikel hatte (habe!) ich den Anspruch, dass er gut recherchiert ist, dass er gut geschrieben ist, dass ich besonders gut auf Rechtschreibung achte, dass die Fotos und Bilder zum Text passen etc. pp. Im Grunde behandle ich jeden Blogbeitrag wie eine kleine Hausarbeit. Und ich mag das sehr! Aber es ist aufwändig.
Viel gepostet, wenig gewonnen?
Ende des letzten Jahres habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich habe beschlossen, keine Monatsrückblicke mehr zu schreiben. Warum? Sie waren schnell geschrieben – aber für meine Kund*innen wenig relevant. Ich glaube nicht, dass Kunde A interessiert, woher ich im vergangenen Monat meine Inspiration genommen habe. Was ihn dagegen sehr wohl interessiert: Wie er erkennt, ob eine Infografik gut gemacht ist. Oder wie der Prozess abläuft, wenn wir gemeinsam an einem visuellen Konzept arbeiten. Genau solche Fragen will ich im Blog aufgreifen – weil sie meinen Kund*innen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.
Gleichzeitig habe ich es genauso mit meinen Social Media Kanälen gehalten. Dort findet man vor allem Inhalte von und über mich, in denen es über meine Arbeit geht. Genau genommen über meine Herangehensweise bei der Erstellung von kreativen Werken und auch über meine Tools und Einstellungen zum selbständigen Arbeiten. Das hat für mich in punkto Kontinuität ziemlich gut funktioniert. Zumindest eine Weile.
Dann kam ein Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich unheimlich viel Zeit in all diese Texte stecken muss. Ich hatte einen Blogbeitrag pro Monat geplant, einen Beitrag pro Woche auf LinkedIn und auf Instagram… Nun ja. Instagram habe ich ziemlich stiefmütterlich behandelt und nur nach Lust und Laune bespielt. Mal war es ein großer Spaß, dort mehrmals am Tag ein paar Stories hochzuladen, mal habe ich wochenlang nichts gepostet.
Fakt ist, am Ende dieser Phase habe ich nur noch LinkedIn-Beiträge geschrieben. Besser als gar nichts, dachte ich mir. Aber so wollte ich es nicht haben.
Zurück in die Zukunft, aber bitte mit Plan
Also bin ich meine verschiedenen Kanäle durchgegangen. Habe mich gefragt, was mir dort Spaß macht, was ich dort berichten möchte und wie ich in Zukunft fortfahren möchte. Zu Beginn habe ich mich immer wieder in der Sunk Cost Fallacy befunden. Dieser Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre beschreibt den Denkfehler, wenn man an etwas festhält, weil man bereits Zeit, Geld oder Energie investiert hat. Selbst wenn es vielleicht besser wäre, umzudenken und eine andere Vorgehensweise zu wählen.
Aber hey – ich möchte mein Marketing ja weniger zeitintensiv, leichter und effizienter haben. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, eine ehrliche Bestandsaufnahme vorzunehmen und meinen Prozess zu ändern. Was ist ab jetzt das Beste für mich und meine Ziele?
- LinkedIn: Die Beiträge auf LinkedIn funktionieren super für mich. Da habe ich unzählige Ideen und auch viel Freude, weil die Community so engagiert und kommunikativ ist. à Das soll unbedingt bleiben.
- Instagram: Wie oben schon beschrieben – hier habe ich wenig Aktivität reingesteckt in den letzten Monaten. Aber eine neue Zielgruppe hat sich bei mir aufgetan und genau dort hält sie sich auf. à Das soll wieder belebt werden.
- Blog: Einen Blogartikel pro Monat zu schreiben gestaltet sich schon etwas schwieriger, weil mein Anspruch dort recht hoch ist. Was wiederum dazu führt, dass ich viel Zeit dafür aufwenden muss, s. oben. Wenn dann mal ein Monat dabei war, in dem ich viel zu tun hatte, geriet dieses Vorhaben schon mal ins Hintertreffen. Dann habe ich mal einen Monat ausgesetzt, dann zwei… Die Monatsrückblicke waren dann ein dankbares Thema, weil sie schnell geschrieben waren. Aber sie kollidierten dann mit dem Vorhaben, vermehrt Fachartikel zu meinen Schwerpunkten zu schreiben. à Das soll bleiben, aber mit gutem und realistischem Redaktionsplan.
Zeit also für einen guten Plan mit Struktur.
Happily ever after mit Content-Recycling, Redaktionsplan und Fragezeichen
Ein halbes Jahr später ziehe ich nun folgendes Resümee: Ja, der Blog ist das Herzstück meiner Onlinepräsenz. Hier möchte ich mein Wissen sammeln und teilen.
Daraus abgeleitet dürfen die Texte für LinkedIn entstehen. Einzelne Aspekte des Themas kann ich herauspicken und dort vorstellen. Hier kommt also das berühmte Content-Recycling zum Tragen. Ein bestehender Inhalt wird also in einem neuen Format weiterverwendet. Clever. In der Theorie. Aber klappt das auch in der Praxis?
Also muss ich jetzt „nur noch“ meinen eigenen Arbeitsprozess dafür ändern. (Wie viele „nur noch“s haben schon einen langen Rattenschwanz an unvorhersehbaren Aufgaben mit sich gebracht…)
Anfangen werde ich mit einem überarbeiteten Redaktionsplan. Damit arbeite ich schon lange und das hilft mir sehr, da ich nicht jede Woche aufs Neue überlegen muss, worüber ich schreiben möchte. Nur plane ich ihn jetzt aus einer anderen Perspektive. Nämlich mit dem Blog am Anfang. Daraus folgen dann die Inhalte für LinkedIn. Dann kommt Instagram.
Mit diesem Blogbeitrag ist der Startschuss dafür gegeben. Ich bin gespannt, wie dieser Prozess in den nächsten Monaten für mich funktionieren wird. Ich bin gespannt, wie sich die Inhalte meiner Blogbeiträge auf LinkedIn widerspiegeln und ob ich dadurch tatsächlich weniger Zeit aufwenden muss beim Texten. Und ob Instagram wieder mehr Freude bereiten wird.
Ich bin auch neugierig, wie du dein Marketing umsetzt: Welche Kanäle nutzt du? Hast du dafür einen konkreten Plan, an den du dich akribisch hältst? Oder ist es mehr Freestyle? Wie viel Zeit verwendest du auf deine Marketingtexte?
2 Antworten
Danke für den Beitrag. Du sprichst sicher vielen aus dem Herzen.
Für mich ist die Frage, was man wirklich erreichen möchte mit den Accounts. Ich glaube, auf Instagram sind immer noch viele Agenturen/ Art Direktor*innen unterwegs, die nach neuen Illustrierenden oder Fotografen, Schriften etc. suchen. Es macht also Sinn, die eigene Arbeit dort zu präsentieren. Auf LinkedIn habe ich dagegen oft das Gefühl, dass auf Beiträge vor allem andere Kreative antworten und nicht potentielle Kundschaft. Aber das kann auch an meinem Algorithmus liegen. 😉 Generierst du denn dort Aufträge?
Im Moment vernachlässige ich alle meine eigenen Accounts, da ich ehrenamtlich einen betreibe, bei dem mir das Thema gerade unter den Nägeln brennt. Da habe ich keine Zeit und keine nervlichen Kapazitäten, meinen eigenen Account zu bespielen. Aber das wird sich sicherlich auch wieder ändern.
Genau, wen möchte ich erreichen – das ist die eine wichtige Frage, die ich mir in dem Prozess gestellt habe. Ich persönlich wurde bisher nie über Instagram von potenziellen Kunden angeschrieben. Zum schnellen Vernetzen oder dem Zeigen der eigenen Arbeiten finde ich es aber gut.
Auf LinkedIn findet der Austausch auch bei mir vorrangig mit anderen Kreativen statt. Die Kontaktaufnahme von potenziellen Kunden erfolgt dann meist in den privaten Nachrichten. So kam letztes Jahr ein Auftrag über LinkedIn zustande. Zudem entstehen immer wieder einige Verbindungen, wo man nun weiß, dass man gut zusammenpassen könnte und sich gegenseitig auf dem Laufenden hält.
Von deinem ehrenamtlichen Einsatz weiß ich ja ein wenig und finde es großartig, dass du dich da so engagierst! Und da finde ich es auch total ok, dass man sich darauf konzentriert, das einem gerade am wichtigsten ist. Es gibt eben für alles seine Zeit.